2017 - zweitägige Vereinsreise zum 30. Jubiläum

Reisebericht 2017

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Theatergruppe Birmensdorf machte sich ebendiese am letzten August-Wochenende auf zu einem zweitägigen Vereinsausflug. Auch die Theater-Ältesten Margrit Bucher und Kurt Rohner wollten sich die Jubiläumsreise nicht entgehen lassen.

Mit Rucksack und Rollkoffer im Schlepptau fanden sich die 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kurz nach sieben Uhr beim Bahnhof Birmensdorf ein. Wie immer war dem Organisator Heinz Roth weder im Vorfeld noch auf dem Bahnsteig auch nur das kleinste Detail zu Weg und Ziel zu entlocken. Um vom Aushorchen abzulenken händigte Heinz kurzerhand allen Teilnehmern einen Snack für unterwegs aus. Die Frage, ob denn das Päckli Darvida und die Aprikosenguetsli bis zum Abend reichen sollten stellte sich erst gar nicht, denn nach einer kurzen Zugfahrt wurden alle im Bahnhofbistro Mettmenstetten bereits das zweite Mal kulinarisch verwöhnt. Kaffee und Sandwich…was will man an einem Samstagmorgen um 7.40 Uhr mehr.

Gut dreiviertel Stunden später bot sich eine erste grosse Überraschung – ums Eck gefahren kam ein „Saurer Alpenwagen Jg. 1962“, wohl eher bekannt als wunderschönes, typisch gelbes Postauto, am Steuer Hans Mosimann, seines Zeichens Inhaber der Oldie-Tour Limmattal. Was war die Freude und das Bedürfnis, gleich erste Fotos für die Ewigkeit zu schiessen, gross. Danach ganz schnell noch die Gepäckstücke verstauen, Plätze einnehmen und geniessen. Die vielen Spaziergänger, die verzückt staunend stehen blieben, animierten das Innenleben des Postautos zu stolzem Zurückwinken. So fuhr die vergnügte Bande unter anderem durch das schmucke Dorf Sachseln, Wirkungsstätte des einzigen Schweizer Heiligen, Niklaus von Flüe, vorbei an Jodlerkönig Ruedi Rymanns Giswil weiter über den Brünig. Irgendwo auf dieser Strecke liess Hans zum ersten Mal das Dreiklanghorn ertönen….Tütato - und einmal stolz winken, bitte. Das Postauto-Lied singend erreichte die Theatergruppe später Brienz, wo sie auf das Schiff wartete, das nebst einem unbeschreiblich schönen Blick über den mit 260m tiefsten Schweizer See sicher auch feine Köstlichkeiten für die hungrigen und durstigen Reisenden bieten würde. Dem war dann auch so, dank Margrit, dem Theatergrosi, wie sie sich selbst nennt, die den Umtrunk spendiert hat. In Interlaken-Ost angekommen wartete eine weitere Riesenüberraschung - drei romantische, 200-jährige Kutschen mit zum Glück deutlich jüngeren Pferden, die die begeisterte Gesellschaft durch die vom Unspunnenfest geprägte Stadt zum Postauto-Treffpunkt fuhren. Von Unterseen ging es am Thunersee entlang weiter, die Augen auf die herrliche Bergwelt geheftet und den Erklärungen des Reiseführers lauschend. Unter anderem wurde das Stockhorn erwähnt, das die Zuhörer spontan in Stockholm umtauften und dem sich auch schon bald ein Helsinki dazugesellte. Kann man verstehen, muss man aber nicht…… Hans gab noch eine amüsante Anekdote zum Besten: weshalb kann das aus einer fast senkrechten Gesteinsplatte bestehende Stockhorn nicht auf eine Seite kippen? Weil es auf der anderen Seite von einer Seilbahn gehalten wird……

Im Hotel Adler in Sigriswil wartete ein feines Mittagessen, das eine willkommene Stärkung war, schliesslich kamen unentwegtes Staunen, aufmerksames Zuhören und stolzes Winken einem Kraftakt gleich. Ausserdem war noch etwas Aufschwung vonnöten um in Oberhofen am Thunersee das schmucke Museum für Uhren und mechanische Musikinstrumente (MUMM) zu besuchen und hübsche Souvenirs zu kaufen. Von da an ging es mit der Energie merklich bergab was sich darin äusserte, dass sich einige Häupter zu einem Nickerchen senkten. Das Postauto wiederum schob sich bergaufwärts bis zum Ziel von Tag 1, dem Berghaus Gurnigel. 18.40 Uhr Ankunft, gleich darauf akribische Zimmerverteilung durch Heinz, 19.00 Uhr Besammlung im Restaurant, die erfrischende Dusche blieb somit Wunschdenken. Aber wer braucht nach einem ganzen Tag bei 28° in Turnschuhen und einem zwar gut belüfteten, jedoch unklimatisierten Postauto schon eine Dusche, wenn er ein Essen haben kann, das ihn vor dem sicheren Verhungern rettet. So wurde das Essbedürfnis flugs gestillt und das vorläufig imaginäre kühle Nass von oben gegen reales kühles Nass im Glas eingetauscht. Der köstliche Hauptgang bescherte wohlige Müdigkeit, was Hildegard Rüttimann und Heinz dazu veranlasste, die faule Gesellschaft mit einem brüllend komisch gespielten Sketch wieder aufzumuntern. Nach dieser willkommenen Aufheiterung wurde das Dessert serviert und einige Mitglieder machten sich auf, die Umgebung zu inspizieren. Gegen 22.00 Uhr forderte die Wirtin freundlich aber bestimmt zur Räumung des Saales auf. Einige vernünftige Zeitgenossen entschieden sich für den Gang ins Bett, der übermütige Grossteil der Theatergruppe zog die zweite und letzte Möglichkeit vor: Besetzung der Gartenterrasse. Bei Kerzenlicht und guten Getränken wurden interessante Gespräche über Taschenlampen, das Online-Ticketing u.v.m. geführt und ausgiebig gelacht. So muss Birmensdorf stundenlang und meilenweit zu hören gewesen sein. Die darauf folgende Stille war schlicht ohrenbetäubend.


Tag 2 startete viel zu früh um 7.45 Uhr mit Besammlung beim Postauto und praktisch leeren Mägen.
Nach einer halbstündigen Fahrt zum Schwarzsee wurde per Sessellift das Restaurant Bärghuus Riggisalp erreicht, das reichhaltige Buffet mit regionalen Köstlichkeiten augenblicklich belagert und einige Teller gar zweimal gefüllt. Die Zeit bis zur geplanten Weiterfahrt wurde unterschiedlich totgeschlagen – vier Mutige strebten die Talfahrt auf Monster-Trottinetts an, einige andere zogen den herkömmlichen Rückweg mittels Sessellift vor, um sich dann bei einer Rodelfahrt einen Adrenalinkick zu verschaffen.

Um 11.30 Uhr steuerte der Saurer ins Sensegebiet des Kantons Fribourg. Die Heimreise führte weiter durch die eindrücklichen Landschaften von Zumholz, Brümisried, Rechtshalten und Tafers. Wussten Sie, dass es in der Schweiz ein Dorf gibt, das nach dem letzten Tag des Jahres benannt ist? Sankt Silvester. Das Dorf ist das einzig deutschsprachige links der Ärgera und besitzt selbstredend eine Kirche. Diese Tatsache war Fahrer Hans sehr wohl bewusst, nicht jedoch, dass die Kirche von der gewählten Route aus sichtbar war. So geriet er beim Anblick des in weiter Ferne liegenden Gotteshauses derart in Verzückung, dass die ganze Gesellschaft unweigerlich von den Emotionen angesteckt wurde. Ein anderes Erlebnis liess die Gruppe in Jubelstürme und rekordverdächtiges Winken ausbrechen, nämlich die gemächliche Parallelfahrt mit einem Zug, der für das Postauto pfiff und entsprechend Tütatos erwartete. Der Lokführer ging sogar soweit, dass er die Türe zu seiner Lok öffnete, um so seiner unbändigen Freude Ausdruck zu verleihen. Daraufhin wurden die Reisenden mit dem Ausblick auf den Schiffenensee und seiner imposanten Staumauer belohnt. Ein anderes bemerkenswertes Bauwerk stellt der um 1900 erstellte Saane-Viadukt in Gümmenen dar, der natürlich auch von allen Seiten fotografiert werden musste. Der Wohlensee verdient ebenfalls Erwähnung: der Teil der gestauten Aare ist nur bei der Fahrt auf engsten Strassen durch den Wald sichtbar. Beim Anblick der zum Teil steilen Hänge hätten Zartbesaitete wohl zur Hyperventilation angesetzt, Hans Mosimann aber hatte sein geliebtes Vehikel zu jeder Zeit vollends im Griff. Ein Muss bei der Fahrt mit einem Postauto ist sicher die historische erste Postautostrecke, die ab 1906 von Bern nach Detligen reichte. Über einen kleinen Teil dieser Strecke ging es weiter zum Landgasthof Linde in Kirchlindach, wo Meringues in zwei verschiedenen Grössen angeboten wurden – sehr gross und noch grösser. Schon machte sich erstmals wieder Müdigkeit breit, die monströse Liebenswürdigkeit auf sechs Rädern rüttelte und schüttelte aber jegliche Hoffnung auf ein entspannendes Schläfchen zunichte. Die nächste Reiseetappe verlief durch das Gebiet Jeremias Gotthelfs, vorbei an hübschen Bauernhöfen, die zum Teil als Filmkulissen herhalten durften, direkt nach St. Urban und seinem im Barockstil erbauten Kloster. Dort wurden die interessierten Theaterleute durch den Kirchenteil bis hinauf in die alte Bibliothek geführt, wo der Gruppenleiter eine kleine Quizrunde lancierte und so die noch nicht ausgeschwitzten Hirnzellen zu Höchstleistungen antrieb.

Ein exquisites Abendessen, Jägerbraten mit Kartoffelstock und Gemüse sowie Dessert, wurde im Restaurant Untere Säge in Vordemwald gereicht. Auf dem Parkplatz traute sich das Küken Larissa, Hans‘ riesiges Gefährt unter seiner Anleitung und dem anspornenden Applaus der Theatermeute zu starten und ein paar Meter zu bewegen. Mit einem super gelungenen Gruppenfoto im Apparat, wohlig vollen Mägen und dem seltsamen Gefühl, dass der Gang im Postauto immer enger wurde glitt die Reisegesellschaft hornend und stolz winkend von dannen. Bei einer letzten, ca. zweistündigen Pause erhielten alle die Gelegenheit, den Rösslikreisel in Rothrist eingehend zu studieren, danach freute man sich über die abschliessenden Worte von Hans, Heinz und Präsidentin Hildegard und machte es sich für die letzten paar Kilometer bequem. So kehrten die 15 Nasen also am Sonntag Abend äusserst zufrieden, um viele Eindrücke reicher und völlig ausgehungert nach Birmensdorf zurück.

Ein herzliches Dankeschön an Hans Mosimann für die einzigartige, insgesamt ca. 340km lange Fahrt durch acht Kantone, an Simon Petrus, der den Reisenden sehr wohlgesonnen war und, last but not least, an Heinz Roth, der sich mit diesem organisatorischen Meisterwerk einmal mehr selbst übertroffen hat. Die nächste Vereinsreise kann kommen.

Theatergruppe Birmensdorf
Claudia Jenny

30. September 2017

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