2017 - Síneu Stüürgsetz

Im Jubiläumsjahr 2017 spielt die Theatergruppe Birmensdorf das erste Stück, welches im Entstehungsjahr anno 1987 aufgeführt wurde.

“S’neu Stüürgsetz“ (oder “d’Junggselle-Stüür“, nach Neubearbeitung)
Schwank in drei Akten von Walter Kalkus, Neubearbeitung von Fritz Klein

Die drei Freunde Jakob Amacher, Gottfried Stünzi und Heiri Tobler verbringen als eingefleischte Junggesellen ein beschauliches Dasein, bis sie vom spitzfindigen Pöstler Wipf vom neuen Steuergesetz erfahren. Dieses soll in wenigen Monaten inkraft treten und allen ledigen Männern eine Steuererhöhung von 20% ihres Einkommens bringen. Wer allerdings schriftlich beweisen kann, dass er von mindestens drei heiratsfähigen Damen abgewiesen wurde, wird von der Steuer befreit. Ein weiteres Schlupfloch findet, wer als nicht zurechnungsfähig erklärt wird; dann muss er diese unselige Steuer nicht entrichten.

Während sich zwei der Herren nun darauf stürzen, möglichst viele Absagen auf ihre Heiratsanträge einzufahren, stellt sich der dritte Junggeselle fortan blöd und spielt den Übergeschnappten. Da Wipf, dieser Teufelskerl, die Damen vorgängig eingeweiht hat, nehmen diese die Heiratsanträge schmunzelnd an - was naturgemäss in Panik bei den Junggesellen ausartet. Wie nur sollen die Eheversprechen annulliert werden, wenn die Damen auf ihren Trauring bestehen? Ein turbulenter Schwank mit einigen köstlichen Pointen.

  • Mitwirkende
  • Fotos von den Proben
  • Fotos Aufführung
  • Berichte

Die Spieler und Spielerinnen

Es spielen 2017:   Es spielten 1987:
Patrick Imhof
als Jakob Amacher – Junggeselle Hermann Dubs
Daniel Billwiller als Gottfried Stünzi – Junggeselle Kurt Rohner
Daniel Elsener als Heiri Tobler – Junggeselle Heinz Roth
Philipp Wenk als Wipf – Pöstler Bruno Oggenfuss
Arun Vaghela als Franz – Knecht Josef Grüter
Claudia Jenny
als Berta Amacher – Jakobs Schwester Hedy Gut
Hildegard Rüttimann als Chrämerbabe Babette Margrit Bucher
Sabrina Trovatelli als Meieli – Magd Hildegard Rüttimann
Melanie Christen als Mina Stöckli – Bauerntochter Anita Tognola

Im Weiteren wirken mit:

2017   1987
Eveline Endrizzi Souffleuse Monika Geiser
Esther Lochmatter Maske Bettina Ambühl
Alfa Poloni Regie Kurt Rohner
  • Fotos von Walter Rüttimann

30-jähriges Jubiläum: Wie ein Laientheater Geschichte schreibt

2009
2009 Die Theatergruppe Birmensdorf führt ęDie unglaublichi Gschicht vom gstohlne StinkerchäsĽ auf. Christian murer

Vor 30 Jahren wurde die Theatergruppe geboren – jetzt kehrt sie zu ihren Anfängen zurück.
Zuerst ging es nur darum, Theater zu spielen anlässlich einer Aufführung des Frauen- und Männerchors. Doch was einer bescheidenen Abendunterhaltung dienen sollte, wurde bald zu ihrer grossen Passion. Denn kaum hatte sich der Vorhang geschlossen, war dem damaligen Regiesseur Kurt Rohner klar: «Jetzt gründen wir eine Theatergruppe.» Das war der Beginn der Theatergruppe Birmensdorf.

Dieses Jahr steht bereits das 30-jährige Jubiläum an. Zu dessen Ehren wird die Theatergruppe das Stück «S’neue Stüür-gsetz» aufführen, welches 1987 die allererste Mundartkomödie des Laientheaters war. Sie wurde unter dem Patronat des Birmensdorfer Kulturkreises gespielt, Regie führte Rohner. Das Stück erwies sich als voller Erfolg und wurde ausgesprochen gut besucht. Schon bald erfreute sich die Gruppe nicht nur in Birmensdorf, sondern auch im gesamten Limmattal grosser Bekanntheit.

1987
1987 Sí neue Stüürgsetz.

Mit verantwortlich für den Erfolg ist nicht zuletzt Hildegard Rüttimann, seit 2005 Präsidentin des Vereins. Sie ist schon seit der ersten Aufführung dabei und war schon immer ein wichtiges Mitglied der Gruppe. Bei fast allen Aufführungen wirkte sie als Schauspielerin mit, meist übernahm sie grossen Rollen. So etwa 1994 beim Stück «Katharina die Kühne»: Rüttimann spielte die vorwitzige Putzfrau Katharina, die im Alleingang einen Mord aufklärt und dabei selber in Todesgefahr gerät. «Es war eine Herausforderung, aber trotzdem eine lustige Komödie und ich konnte mich in die Rolle gut hineinversetzen», erzählt sie.

1996
1996 Tante Jutta.

«Männer sind ängstlicher»
Eine Herausforderung für Rüttimann ist es immer wieder, Männer für die Gruppe zu finden. «Viele Theatergruppen haben grosse Probleme, da die Männer markant in der Unterzahl sind» sagt sie. «Männer sind auf der Bühne in der Regel ängstlicher als Frauen.» Da die Theatergruppe 2016 beim Stück «Frauepower» zu wenig männliche Schauspieler hatte, schlüpfte eine Frau in die Rolle des Brauereibesitzers Karl Fässler. Das Stück thematisierte ein politisches Thema auf witzige Art und Weise. Eine Frauengruppe in den 1980er- Jahren kandidiert für die Gemeinderatswahlen – was längst nicht allen Männern passt. Die Aufführung wurde unter anderen vom Birmensdorfer Gemeindepräsidenten Werner Steiner gelobt.

Die Birmensdorfer Gemeinde war schon früh eng verbunden mit der Theatergruppe. So fragte der Gemeinderat an, ob die Gruppe eine amüsante Geschichte habe, die in der Patengemeinde Brienz aufgeführt werden könne, wie Rüttimann erzählt. «Mit Chuchi Ateil» folgte 2000 dann die erste auswärtige Aufführung. «Wir packten unsere Siebensachen und fuhren gemeinsam mit dem Auto los. In Brienz angekommen, ernteten wir kuriose Blicke, da wir bereits verkleidet waren und einen künstlichen Papagei im Gepäck hatten», sagt Rüttimann und lacht.

2012
2012 Bi üs klemmt gar nüt.

Starker Zusammenhalt
Obwohl sie viele amüsante Erlebnisse teilen, nehmen die Schauspieler ihre Aufgabe durchaus ernst. Denn hinter einer Aufführung steckt viel harte Arbeit. Die Proben beginnen jeweils nach den Herbstferien, dann wird bis Mitte Dezember einmal pro Woche geprobt. Anfang Januar muss dann alles ohne Skript sitzen. Während den Proben laufe nicht immer alles rund, verrät Rüttimann. «Es gab schon Momente, in denen ich das Handtuch werfen wollte. Aber der Zusammenhalt im Team ist stark. Wir motivierten uns gegenseitig, auch in schwierigen Phasen», sagt sie. Die Gruppe treffe sich auch privat. Jedes Jahr gibt es einen Ausflug, wobei zukünftige Aufführungen besprochen werden. Das neue Stück wird jeweils vor den Sommerferien geplant. Die Schauspieler können sich dabei alle mit Vorschlägen einbringen.

Inspiration aus Politik und TV
Ein gutes Theaterstück zu finden, sei gar nicht so einfach, sagt Rüttimann. Inspiration könne man beispielsweise in Politikberichterstattungen oder beim Fernsehen finden. So entstand auch das Stück «Bi üs chlemmt gar nüt», das 2012 auf die Bühne kam. Rüttimann sah die Komödie auf einem deutschen Sender und war begeistert. Sie rief sofort den Theaterverlag an, um das Skript des Stücks zu erhalten. «Das gesamte Skript war auf Bayerisch. Ich habe dann alles ins Schweizerdeutsche übersetzt», erzählt sie.

Als Rüttimann mit der Idee ankam, das alte Stück «S’neue Stüürgsetz» zum Jubiläum nochmals aufzuführen, hielt sich die Begeisterung der Gruppe zuerst in Grenzen. «Meine Kollegen waren erst einmal skeptisch, ob sie die Rollen genauso gut spielen können wie ihre Vorgänger», sagt Rüttimann. «Denn es war nicht nur unser erstes Stück, sondern auch unser Durchbruch. Doch jetzt freuen sie sich umso mehr auf diese Aufgabe.» Manch einer der ehemaligen Schauspieler wird die Aufführung als Zuschauer begutachten. «Ich hoffe, sie werden nicht dazwischenrufen, falls jemand einen Texthänger haben sollte», sagt Rüttimann und lacht.

Quelle: von Jefimija Djukic — az Limmattaler Zeitung - 15.03.2017

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